Wenn die Welt still steht

Ich habe nie wirklich meinen Geburtstag gefeiert, aber es gibt dennoch 3 Menschen, die ich gerne an meinem Geburtstag sehen möchte, oder um mich habe. Das wird dieses Jahr nicht gehen.
Ich habe keine Angst vor der Einsamkeit, die mich jetzt erwartet. Ich glaube sogar, dass ich durch meine Depression ausnahmsweise mal im Vorteil bin. Ich weiß wie es ist, wenn man so lange am Stück alleine ist, und nicht mal das Haus verlässt. Ich weiß es. Aber was auch für mich neu ist, ist die Atmosphäre. Die Stimmung. Die Angst. Die Sorge. Ich verlasse nur das Haus, wenn ich muss, trotzdem fühle ich mich eingesperrt, einfach dadurch, dass ich es ja nicht darf, falls ich doch mal will. Es ist schon was anderes. Aber wenn das ganze noch länger so weiter geht und manche über Monate isoliert bleiben, dann wird das ganz schön heavy.
Meine einsamste Zeit war, als ich die Schule abgebrochen hatte, mehrmals in Folge, in die Klinik kam, auch dort alles nach kurzer Zeit hin schmiss, und dann immer wieder fast ein Jahr darauf warten musste, erneut zur Schule zu gehen. Das zog sich drei Jahre so hin. Drei Jahre. Monate hockte ich in meinem Zimmer. Der Unterschied dazu war, dass die Welt sich damals aber ja weiterdrehte, und das bemerkte ich auch. Jetzt halten alle an. Und dann wissen plötzlich fast alle wie sich das anfühlt, machtlos zu sein.

Wenigstens strahlt der Himmel, so wie es sich für Frühling gehört.

Dunkel Modus

Ich denke, ich sollte schreiben, auch wenn ich grade nicht besonders kreativ bin, denn wenn ich jetzt nichts mache, gehe ich einfach aus. So wie ein Computer in den Stand By Modus wechselt, wenn man ihn länger nicht bedient. Ich glaube, wenn man nichts macht, dann brennt man einfach runter wie eine Kerze.
Ich funktioniere eigentlich nur, weil irgendein mir unerklärlicher Instinkt mich dazu bringt, zu funktionieren. Und wenn nicht deswegen, dann weil ich denke, es jemandem schuldig zu sein.
Gibt es etwas unheimlicheres als Dunkelheit? Stille. Stille ist unheimlicher. Also höre ich Musik, auch wenn es um mich herum längst schwarz ist. Aber ist das überhaupt „etwas tun“? Oh ja. Fühlen ist sehr viel tun. Wer sich schon mal mit einem Dämon gekloppt hat, der aussieht wie du selbst, weiß wovon ich spreche. Anstrengender als jeder Marathon. Manchmal heißt weitermachen nicht Aufstehen, sondern aushalten.
Aber ich wüsste manchmal ganz gerne wie ich mich bediene.

Bluten

Manchmal fühlt sich mein Herz wie eine Meeresfrucht an, die zwischen glitschigen Algen müde Grelle leuchtet. Wenn ich mal blute, dann bin ich jedes mal einfach nur wie vor den Kopf gestoßen, dass etwas mit so viel Farbe aus mir herauskommt. Vor den Kopf gestoßen. Vor den Kopf stoßen. Stoßen. Stoßen.
Ich glaube ganz fest an den Regenbogen, der aus mir herauskommen kann, aber am Ende des Regenbogens ist eine Kiste voller erloschener Herzen.

Snakebites

Mir ist schlecht. Die Luft ist kalt und schmeckt nach Rauch und Zuckerwatte. Wir sollen mutig und offen sein. Doch jedes mal wenn ich aus mir herauskomme, häute ich mich wie eine Schlange, und Geheimnisse sind Seelenhäppchen, die wir anderen zum Fressen vorwerfen. Ich bin nackt und habe Hunger.

Papermoon

Der Mond hat die Farbe von gelblichem Papyrus. Inmitten gleichgroßer, fast schon symmetrisch angeordneter Wolken, sieht die Kulisse aus wie aus einem Bilderbuch. Als hätte man alle Dinge dieser Welt absichtlich dort platziert, wo sie sind. Auch mich. Das heißt, es gibt vielleicht einen Gott und er weist mir den Weg.

Stellt euch nur mal vor, alle Welten würden tatsächlich existieren, die Autoren jemals geschrieben haben. Aber selbst Gott kann nichts an dem Schicksal dieser Figur ändern, denn das Buch wurde längst geschrieben. Vielleicht ist das ja auch der Grund, warum ich nicht bete. Nicht, weil ich an keinen Gott glaube, wo doch so viele Mächte auf mich einwirken, sondern weil ich an Schicksal glaube. Es gibt so viele, die an ein Gleichgewicht von gut und böse Glauben, auch ich bin eigentlich ein Karmavertreter, doch das hieße ja, dass Trauer durch etwas ausgeglichen werden kann. Und das geht in meiner Papermoonwelt nicht.

Trauer ist das schwerste aller Empfinden. Sie kann nicht leuchten wie der Mond, sie hat auch keine abstrakte Form wie eine Wolke, die man verzerren kann, bis sie einem in den Himmel passt. Trauer hat kein Gesicht, sie ist ja nicht mal eine Farbe. Man kann sie in kein Bilderbuch malen und dort platzieren, wo man sie haben will. Sie ist einfach nur schwer. Was kostet die Welt?

Kopfspiel

Hier sind Graffitis auf dem Boden, weil an der Wand kein Platz mehr ist und die Mauern zwischen uns niemand sieht. Ein Kugellabyrinth. Mein Kopf, der durch emotionale Mauern rollt. Mir ist schwindelig. Einsamkeit ist ein Brunnen und jeder, der mir nahe kommt, fällt selbst hinein.